

The Eternal and the Ephemeral (Das Ewige und das Vergängliche)
7 Tracks45 MIN2022
Le Chant du Monde — Harmonia Mundi
Die mittlerweile 15te Aufnahme in der Sammlung Le Chant du Monde greift ein zentrales Thema der spirituellen Reise der Seele auf – die Unbeständigkeit dieser Welt und die Beständigkeit der nächsten. Von Musikstück zu Musikstück erinnert uns Ostad Elahi daran, dass alles in dieser Welt vergänglich ist und dass ewige Glückseligkeit nur dort zu finden ist, wo wir dem Schöpfer nahe sind.
„Was Ostad Elahis Leben uns zeigt, ist, wenn wir auf die historischen oder mythischen Berichte der großen Weisen der Vergangenheit zurückblicken und uns manchmal fragen: „könnte eine so außergewöhnliche Person wirklich gelebt und auf dieser Erde gewandelt sein?“, die Antwort muss ja lauten, denn hier ist einer von ihnen, der vor kurzem unter uns war.“
– Theodore Levin
Professor für Musik, Dartmouth
Mehr zur Kunst und Philosophie in Ostad Elahis Musik erfahren Sie in Jean Durings The Spirit of Sounds: The Unique Art of Ostad Elahi (Cranbury, NJ: Cornwall Books, 2003).
Bābā Sarhangī and Bābā Nāūsī (Nāvūsī) Suite
Dieses erste Stück ist zwei bedeutenden Persönlichkeiten der Ahl-e Haqq-Tradition zugeschrieben,1 die als Theophanien gelten: Bābā Sarhang und Bābā Nāūs, die zwischen dem 10. und dem 12. Jahrhundert lebten. Der Geist der Selbstverleugnung und Selbstaufopferung auf dem göttlichen Wege kennzeichnet die mystische Liebe des Bābā Sarhang. Das Hauptaugenmerkt von Bābā Nāūs lag hingegen darauf, uns vor der Notwendigkeit zu warnen, aus der spirituellen Amnesie im Diesseits herauszutreten und uns mit unserem spirituellen Schicksal im Jenseits zu beschäftigen: „Glaubst du, dass das Auge, das heute blind ist, morgen sehen kann? Hüte dich vor dem Tag, an dem du blind sein wirst für alles, was Er offenbart hat.“2
Dieses Stück ist einzigartig, weil die vollständige Session aufgenommen wurde – von dem Moment, in dem er das Instrument in die Hand nahm und stimmte, bis hin zu seinen abschließenden Worten. Es herrscht eine intime Atmosphäre; es waren nur ein paar enge Freunde und Verwandte anwesend. Bevor eine liebliche Melodie ertönt, hören wir, wie der Tanbur gestimmt wird, und ein paar Umgebungsgeräusche. Die Wiederholung derselben Note, die auf die ersten melodischen Phrasen folgt, erzeugt eine Art Schwerelosigkeit. Das Spiel steigert sich schrittweise; es erklingen verschiedene Melodien mit Verzierungen. Plötzlich wechselt die Stimmung zu einer fröhlichen Melodie, die zum Tanz einlädt, während die Melodie von einem Akkord zum anderen wechselt.
Auf Aufforderung Ostad Elahis beginnt eine Daf (Rahmentrommel) zu spielen. Trotz der überwältigenden Präsenz der Trommel und der rudimentären Aufnahmetechnik3 ist der Tanbur weiterhin zu hören. Ostad Elahi wurde nur selten von der Daf begleitet; bei dieser Begleitung handelt es sich um eine von zwei bekannten Fällen, die aufgenommen wurden.4
Ostad Elahi schließt die Sequenz mit den Worten „Hū avval-o ākherem Yār, Yā Ali“5 (Du bist mein Anfang und mein Ende, o Ali) ab, nimmt die Daf und spielt ausnahmsweise kurz darauf. Dabei gibt er ein Beispiel für die Ausgewogenheit und Feierlichkeit, mit der er das Instrument spielte.
1 Eine mystische Tradition aus Westiran.2 Ostad Elahi verwendete dieses Zitat häufig, das aus Majmaʿ ol-Kalām, einem Manuskript der Kalāms aus der Ahl-e Haqq-Tradition, stammt. Er nutzte sein umfangreiches Wissen über die Tradition seiner Vorfahren, um diese Kalāms zu sammeln und zu bereinigen, indem er alle nicht authentischen Zusätze entfernte.3 Ein einzelnes, ungerichtetes Analogmikrofon.4 In den bis heute veröffentlichten Aufnahmen von Ostad Elahi ist die Daf lediglich einmal zu hören: auf Destinations (Paris: Le Chant du Monde, 2008), Vol. 1, Track 3.5 Die Anrufung Alis, eines großen Heiligen in der schiitischen Tradition und Schwiegersohn des Propheten Muhammad, ist eine Form der Anrufung des Göttlichen.
Trackliste
Bābā Sarhangī and Bābā Nāūsī (Nāvūsī) Suite
The Eternal and the Ephemeral (Das Ewige und das Vergängliche)
Bābā Sarhangī and Bābā Nāūsī (Nāvūsī) Suite
The Eternal and the Ephemeral (Das Ewige und das Vergängliche)