

Resilience (Widerstandskraft)
7 Tracks48 MIN2019
Le Chant du Monde — Harmonia Mundi / The Metropolitan Museum of Art
Diese CD, die vierzehnte in der Sammlung von Le Chant du Monde, veranschaulicht, wie Ostad Elahi die Musik als eine Sprache verwendet, die sich auf verschiedene Zustände der Seele bezieht, unter anderem die Trennung von unserem Geliebten und die Widerstandskraft, die wir aufwenden, um diesen Schmerz zu überwinden. Im Metropolitan Museum of Art, wo man im Rahmen einer Ausstellung Ostad Elahis musikalisches Erbe feierte, sind aktuell einige seiner wertvollen Instrumente in der ständigen Sammlung ausgestellt, und diese und eine weitere neue CD wurden zusammen in einer Gedenkbox herausgegeben.
Shīn-e Tarz in the Nakīsā and Bārbad Suite
Dieses Stück wurde in den 1970er Jahren in Ostad Elahis Haus in Teheran aufgenommen. Es handelt sich um ein hervorragendes Beispiel für die Virtuosität, Kraft und Geschwindigkeit seines Spiels sowohl mit der rechten als auch mit der linken Hand. Das Hauptmotiv erinnert an die Geschichte von Nakīsā und Bārbad, zwei Persönlichkeiten aus dem antiken Persien. Beide waren berühmte Musiker am Hofe des sassanidischen Großkönigs Khosrow Parvīz zu Beginn des 7. Jahrhunderts. Kurdische Gnostiker glauben, dass diese beiden durch eine tiefe, unumstößliche spirituelle Liebe miteinander verbunden waren, ähnlich wie Josef und Jakob oder Jesus Christus und Johannes der Täufer. Nach der schmerzhaften Prüfung der Trennung überwinden sie alle Hindernisse und finden schließlich wieder zueinander. Ostad Elahi hielt ihr Andenken in Ehren und erwähnte ihre Namen häufig, wenn er ihre Melodie in eine Improvisation einband.
Wie die klassische Musik der persischen Meister1 basiert auch die Musik Ostad Elahis auf den verschiedenen Zuständen und Bedürfnissen der Seele. Diese herzzerreißende Suite verdeutlicht daher anschaulich die Zustände, die wahre spirituell Liebende erleben, darunter tiefe Sehnsucht, der Schmerz der Trennung vom Geliebten und die Widerstandsfähigkeit der Seele bei der Überwindung dieses Schmerzes. Diese Improvisation basiert nicht auf alten, vorislamischen Grundlagen und kann nicht auf diese zurückgeführt werden. Sie enthält Passagen aus Ostad Elahis Repertoire, die jedoch anders und in einer neuen Reihenfolge gespielt werden. Das Stück ist zunächst meditativ, lädt die Zuhörer dann aber in eine dichte und intensive Klanglandschaft ein, in der die überraschendsten Resonanzen widerhallen.
Obwohl das Tempo steigt, angetrieben von einem brillanten Shor2, bleibt das Stück anfangs recht nostalgisch. Eine Welle nach der anderen wird entfesselt, Hilferufen gleich. Die Wiederholungen nehmen an Virtuosität zu. Aus beruhigenden Pausen steigen Dissonanzen auf, wie noch nicht vollständig gestilltes Leid. Aus dem Meer dieser Tonkaskaden erheben sich Akkorde, die die Atmosphäre allmählich verändern. Gegen Ende spielt Ostad Elahi ein freudiges Air – eine Art Katharsis – der Fülle. Dann greift er kurz auf das Hauptthema zurück, wobei er ein Motiv verfolgt, das sich häufig in seinen Improvisationen wiederfindet.
1 Ostad Elahi sagt dazu: „Die iranischen Meister schufen ihre Musik für die Seele, suchten immer das passendste Air, die Melodie, welche die Seele in diesem Moment erfreuen und erheben würde. Das gilt auch für Musik mit einem Hauch Nostalgie, denn Weinen beruhigt die Seele und führt zu Freude.“ Āsār ol-Haqq, Band 2 (Teheran: Jeyhūn, 1991), 359–60.2 Eine Art „Roll“, gespielt mit der rechten Hand.
Trackliste
Shīn-e Tarz in the Nakīsā and Bārbad Suite
Resilience (Widerstandskraft)
Shīn-e Tarz in the Nakīsā and Bārbad Suite
Resilience (Widerstandskraft)