background pattern
Presence (Gegenwart)

Bābā Jalīlī Invocation

Dieses sanfte, rhythmische Rezitativ ist ein Gebet an den Schöpfer; es drückt intensive Gefühle in einer zutiefst besinnlichen Atmosphäre aus. Ostad Elahi wendet sich mit leiser Stimme und in vertraulichem Tonfall mit einfachen und direkten Worten an seinen Geliebten.

Der Tanbur ist zuerst zu hören, mit einer Melodie, die zu Ihm aufsteigt. Dann beginnt Ostad Elahi mit seinem Lied und ruft den göttlichen Namen Ali an. Stimme und Instrument gehen in diesem Appell an die göttliche Gnade und Barmherzigkeit eine perfekte Symbiose ein. Ostad Elahi spielt hier in seinem ganz eigenen Stil. Gelegentlich erkennt man Themen aus älteren Aufnahmen. Bei genauem Hinhören stellt man aber fest, dass es sich ohne Zweifel um eine Improvisation handelt, bei der die Motive sich völlig unerwartet entfalten. Die Passagen, die an bekanntere Modi und Themen erinnern (beispielsweise Hey Dāwed gegen Ende des Stücks)1, werden selbst auf originelle Weise gespielt. Auch Zuhörer, die Ostad Elahis Kompositionen gut kennen, werden überrascht und gelangen von einer neuen Erfahrung zur nächsten. Ostad Elahis Universum ist voll sanfter Lieblichkeit, aber der Schmerz über die Trennung vom Geliebten ist deutlich zu spüren. Dieses Gefühl wird noch greifbarer, als Ostad Elahis Stimme bricht und der Appell an Dringlichkeit gewinnt. Laut Ostad Elahi „beruhigt das Weinen [in einem spirituellen Zustand] die Seele und erfüllt sie mit Freude. Basiert Musik auf dem Streben der Seele, wird sie sowohl in technischer als auch spiritueller Hinsicht attraktiver.“ (Āsār ol-Haqq, Band 2, 359–360). Wird die Seele berührt, wie beispielsweise beim Bewusstwerden der Trennung von ihrem Geliebten, kann man seine Tränen nicht zurückhalten. Sie verschaffen Erleichterung, ähnlich einem reinigenden Regen.

Ostad Elahis Emotionen inspirierten dieses Gedicht, das er während des Spiels improvisierte:

Ali (x 6)
Ali, agar bogzarī, Ali (x 5)
Ali, gonābāranān, Ali (x 7) djān
Gonābāran yā Ali, Ali, Ali, Ali
Gonām bar gardan, yā Ali, yā Ali, yā Ali
Va gonāy, sar va jīr-e bār yā Mowlām, Ali (x 5)
Gonāy wīm bardan yā Mowlām āmān, Ali (x 5) djān, Ali, Hū
Sar va jīr-e bār Ali djān Mowlām
Gonāy wīm bardan
Va gonā(h) kārān mabū weyardan, ey Khodā-ye man, ey Mowlā-ye man
Bī gonā(h) va kas ey Ali djān mennat nabardan, amān amān amān, amān
Agar bogzarī, yā Mowlā ye man va gonā[h] kārī
Aw vakht malūman yā Mowlām to karamdārī
Djān, ey Khodā-ye man, Ali (x 4) karīmī, rahīmī, bozorgavārī
Ey Khodā-ye man (x3), Khodā-ye man (2 x)
Ey khāleq-e man, ey Khodā-ye man
Ey Ali amān, Ali (x 6)

Dann zum langsamen Thema von Hey Dāwed:

Yā Dāwed-e dāwedan Ali Hū har Dāwed-e khāsan
Ey Khodā-ye man, ey rabb-e man
Yā Hayy yā qayyūm

Ali
Ali, Vergib mir, o Ali
Meine Sünden sind zahllos, Ali, Ali mein Leben
Vergib mir, Ali
Nimm dieses Gewicht von meinen Schultern, o Ali
Du bist meine Zuflucht, o Ali
Mein Kopf neigt sich unter dem Gewicht meiner Sünden
Ja, ich war sehr nachlässig, o Gott
Mit dieser Last auf meinem Herzen, wen soll ich sonst anrufen, o Ali?
Ich finde Zuflucht bei Dir
Vergib mir, Herr
Und zeige so Deine Güte
Ali mein Geliebter, o Herr, Du bist großzügig, großherzig, allmächtig
O mein Gott, mein Schöpfer, mein Lehrer, mein Gott

Wie Ali sind auch die Begriffe Mowlā (Herr), Khodā (Gott), Djān (Geliebter) und Hū (Er) Ausdrücke für die Göttlichkeit und eine Form der Anrufung Gottes.


1 Siehe CD, Destinations, Vol. 1, Le Chant du Monde/Harmonia Mundi, 2008.

Bābā Jalīlī Invocation

Presence (Gegenwart)

00:00